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Smarter Familienalltag mit Alexa & Co.?

Bis vor Kurzem klang es noch wie ein Szenario aus einem Science-Fiction-Film: Von unterwegs schon die Heizung im eigenen Zuhause einschalten, während man das Abendessen zubereitet bereits die Termine der Familienmitglieder koordinieren oder kurz die Lebensmittel für das Wochenende per Zuruf bestellen — dies alles wurde im Jahr 2017 Wirklichkeit. Die Verfügbarkeit von sogenannten Sprachassistenten – wie Alexa in den Echo-Geräten von Amazon, Siri mit dem Home-Kit von Apple, Google Home oder Cortana von Microsoft – versprechen, das Familienleben  schneller und besser organisieren zu können. In Zukunft wird es wahrscheinlich immer mehr digitale Geräte mit intelligenter Sprachsteuerung geben. Immer mehr Kinder lernen den Umgang damit von klein auf. In diesem Text wird am Beispiel von Alexa erklärt, was dahinter steckt.

Funktionen und Anwendung

Die digitalen Sprachassistenten funktionieren wie intelligente Lautsprecher mit integriertem Mikrofon. Man spricht sie mit einem Schlüsselwort wie „Alexa“ oder „Echo“ an und sagt dann, was man gern möchte, z. B.: „Alexa, spiel‘ meine Lieblingsmusik!“. Die Übertragung dieses „Befehls“ erfolgt über das Internet. Dazu müssen die Sprachassistenten mit anderen Geräten oder Anwendungen, wie z. B. Musikstreamingdiensten, verbunden sein. Die gesprochenen Worte gelangen über WLAN oder Bluetooth zum Anbieter, um den Befehl umzusetzen. Alexa oder ein anderer Sprachassistent reagiert auch, indem „sie“ z. B. Fragen beantwortet.

Auf den ersten Blick mögen diese Smart-Home-Geräte eine Erleichterung im Familienalltag sein: Man kann mehrere Dinge, wie z. B. das Recherchieren von Bus- und Bahnzeiten oder das Hören aktueller Nachrichten, schneller nebenbei erledigen. So hätte man mehr Zeit für die individuelle Beschäftigung mit dem Kind und der Familie. Mit Hilfe von intelligenten Sprachassistenten kann man nach Hausaufgaben oder Referaten recherchieren oder online Kleidung bestellen, ohne dass man sich erst an den Rechner setzen oder Suchanfragen im Smartphone eintippen muss.

Das Gerät hört mit: Privatsphäre und Datenschutz

Möglich ist das, weil mit den Sprachassistenten mehrere Lautsprecher mit Mikrofonen nach Hause kommen. Alexa hört Ihnen 24 Stunden zu, Tag und Nacht. Was passiert mit all den sehr persönlichen Daten und Informationen? Wie steht es um den Datenschutz? Die Datenschutzbestimmungen von Alexa & Co. sind undurchsichtig. Es ist nicht klar, was genau mit vielen privaten Informationen passiert, die der Lautsprecher mithört. Drückt man aktiv „mute“ bzw. die „Mikrofon aus“-Taste am Gerät, zeichnet Alexa laut Amazon nichts auf. Das bedeutet aber, dass sich die Sprachsteuerung nicht mehr aktiv nutzen lässt. Gerade diese Funktion macht Alexa für viele so attraktiv. Möchte man Alexa der praktischen Einfachheit halber per Zuruf etwas fragen, muss man „sie“ immer mithören lassen. Seien Sie sich also bewusst, dass diese Geräte Ihre Privatsphäre und die Ihrer Familie und Gäste potenziell gefährdet. Alle Personen, die sich in Ihrem Zuhause befinden, sollten deshalb auf die Existenz des Geräts hingewiesen werden. Zudem lässt sich der Missbrauch Ihrer Daten durch Dritte wie z. B. Hacker nicht sicher ausschließen. Direkte Befehle an Alexa werden in Form von Audiodateien in einer sogenannten Cloud, also online, abgelegt und können individuell gelöscht werden. Ihre Daten können aber auch auf Servern in Ländern landen, die nicht den deutschen Datenschutz-Standards entsprechen. Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass Alexa persönliche Daten der Nutzer*innen wie Interessen und Lebensumstände sammelt, um personenbezogene Werbung ausspielen zu können.

Nutzung von Sprachassistenten durch Kinder

Von den ungewissen Sicherheitsaspekten abgesehen, sollten Sie sich auch gerade bei jüngeren Heranwachsenden über die individuelle Umgangsweise mit Alexa bewusst sein, da Alexa für Ihr Kind durch die Frauenstimme einen lebendigen Charakter entwickeln kann. Außerdem sollte bedacht werden, dass es bei Alexa keine gängigen Höflichkeitsformen wie eine Begrüßung oder ein „Bitte“ und „Danke“ gibt. Dies könnte Ihr Kind als normalen sozialen Umgang abspeichern. Auch die Tatsache, dass die Sprachassistenten meist eine weibliche Stimme haben, könnte bei Kindern ein problematisches Geschlechterbild vermitteln. Ein weiteres Risiko können aus Versehen gemachte Online-Bestellungen sein.

Tipps für die Nutzung in der Familie

Sollten Sie sich für den Einsatz eines intelligenten Sprachassistenten wie Alexa in den eigenen vier Wänden interessieren, besprechen Sie Vor- und Nachteile einer solchen Software mit allen Familienmitgliedern. Jede*r sollte mit der Anschaffung einverstanden sein. Trägt ein*e Familienmitglied oder Freund*in den Namen „Alexa“, wählen Sie ein anderes Aktivierungswort. Es könnten sonst unbeabsichtigte Anfragen gestartet und ungewollte Einkäufe getätigt werden. Deaktivieren Sie das WLAN am Gerät, wenn Sie es nicht benötigen oder stellen Sie die Mikrofone stumm. Überlegen Sie genau, welche Einstellungen Sie beim Gerät vornehmen und mit welchen anderen Diensten der Sprachassistent verbunden sein soll.

Bildquelle: https://pixabay.com/de/echo-dot-amazon-sprachassistent-2937627/