menu
logo elternguide
Internetguide für Eltern
logo elternguide
Internetguide für Eltern

Kinderfotos im Netz

Kinderfotos sind toll – sie zeigen ohne große Worte, dass das Leben mit Kindern Spaß macht und der Alltag mit Kindern bunt, lustig und spannend, aber chaotisch sein kann. Dank des immer griffbereiten Smartphones halten wir diese Alltagsmomente einfach und schnell fest und geben sie stolz an Familienmitglieder, Freunde und Bekannten weiter. Wer kennt es nicht: In wenigen Sekunden ist der süße Schnappschuss vom Baby mit dem ersten Brei im Gesicht über Facebook, Instagram, WhatsApp & Co. geteilt.

Süße, lustige Fotos – aus kinderrechtlicher Sicht oft bedenklich

Was Eltern süß finden und mit der Welt teilen, kann für Kinder (später) durchaus unangenehme Folgen haben. Auch wenn Ihnen als Eltern zurecht alle Fotos ihres Kindes gefallen, versetzen Sie sich in die Lage Ihres Kindes! Sie selbst mögen sich wahrscheinlich auch nicht auf jedem Foto. Aus kinderrechtlicher Sicht sind Kinderfotos im Netz durchaus bedenklich, denn zu oft wird ohne ihr Einverständnis gepostet. Genau wie Erwachsene haben auch Kinder ein Recht auf Privatsphäre (Art. 16, UN-Kinderrechtskonvention) und somit die Freiheit, prinzipiell selbst zu entscheiden, was und wieviel sie von sich preisgeben.  Neben Beteiligungs- können auch Schutzrechte von Kindern in Gefahr sein, wenn Fotos im Netz frei zugänglich und dadurch in falsche Hände geraten können.

Es ist bekannt, dass sich Informationen und Bilder im Netz schnell verbreiten, zeitlich unbegrenzt und einfach zu finden sind. Dennoch wird das Ausmaß der Verbreitung oft unterschätzt. Obwohl ein Foto im Profil oder Blog gelöscht wird, können die Aufnahmen weiter kursieren. Andere können diese kopieren, verfremden und weiterverbreiten. Dabei muss man nicht sofort und ausschließlich daran denken, dass Kinderbilder möglicherweise für pädophile Zwecke missbraucht werden könnten. Das Risiko, dass im Netz zugängliche Fotos beispielsweise auch eine Rolle für Cybermobbing oder im Hinblick auf zukünftige Bewerbungen für Ihr Kind von Nachteil sein könnten, liegt auf der Hand. Außerdem wird in Zukunft Gesichtserkennung eine wesentlich größere Rolle spielen wird, d. h. dass Software Personen auf Fotos automatisch erkennt. Das kann man schon heute z. B. in der Fotogalerie auf dem iPad sehen.

Umso wichtiger ist es, dass Sie als Erwachsene bewusst und rücksichtsvoll mit den Persönlichkeitsrechten Ihrer Kinder im Internet umgehen.

Aber heißt das nun, niemand darf mehr ein Kinderfoto posten?
Kinder sind Teil unserer Gesellschaft und sollen deswegen auch sichtbar in allen gesellschaftlichen Bereichen sein – auch in der digitalen Welt. Die wichtigste Frage dreht sich nicht darum, ob Kinderfotos im Netz gepostet werden dürfen oder nicht, sondern in welcher Art und Weise das geschieht. Wenn Sie folgende Punkte beachten, spricht nichts dagegen, ein Kinderfoto zu posten und gleichzeitig die Persönlichkeitsrechte Ihrer Kinder zu wahren:

1.      Beziehen Sie Ihr Kind ein.
Sprechen Sie in Ihrer Familie möglichst früh über den Umgang mit Fotos im Internet. Bevor Sie ein Bild Ihres Kindes über Soziale Netzwerke oder über Apps veröffentlichen, fragen Sie es nach seiner Zustimmung und respektieren Sie diese Entscheidung.

2.      Vermeiden Sie möglichst die Preisgabe personenbezogener Daten des Kindes im Zusammenhang mit einem Foto.
Der vollständige Name eines Kindes sollte nicht im Zusammenhang mit einem Foto veröffentlicht werden.  Vermeiden Sie möglichst auch Fotos, die Rückschlüsse auf Orte wie Kindergarten, Schule oder gar Wohnhaus erlauben.

3.      Überprüfen Sie regelmäßig Ihre Sicherheits- bzw. Privatsphäre-Einstellungen in Sozialen Online-Netzwerken.
Um das Risiko zu vermeiden, dass geteilte Fotos unkontrolliert im Netz kursieren, bieten die Plattformen in der Regel selbst durch verschiedene Funktionen die Möglichkeit, die Sichtbarkeit bzw. den Empfängerkreis einzuschränken. Kontrollieren Sie auch regelmäßig die eigenen Privatsphäre- und Sicherheitseinstellungen!

4.      Posten Sie keine Fotos von Kindern in peinlichen, unangenehmen oder unangemessenen Situationen.
Kinder sollten auf Fotos immer bekleidet und nicht in einer lächerlichen oder gar peinlichen Situation zu sehen sein. Sind noch andere Kinder auf dem Foto zu sehen, ist dringend das Einverständnis der Eltern einzuholen.

5.      Überlegen Sie, ob es für die Bildaussage des Fotos zwingend notwendig ist, das Gesicht des Kindes zu zeigen.
Es gibt viele Alternativen, Kinderfotos zu posten, ohne die Persönlichkeitsrechte von Kindern zu verletzen. Gesichter können durch gezielte Platzierung von Emojis oder durch Verpixelung bzw. Unschärfe unkenntlich gemacht werden. Fotos, die Kinder von hinten zeigen oder mit Detailaufnahmen (z. B. Hände oder Füße) arbeiten, sind in der Regel unbedenklich.

6.      Nehmen Sie Ihre Vorbildfunktion wahr.
Wenn Sie verantwortungsbewusst mit Fotos von sich und ihren Kindern in sozialen Medien umgehen, profitieren auch Ihre Kinder davon. Nicht nur, weil sie dadurch vor möglichen ungewollten Einblicken geschützt werden, sondern auch, weil Sie ihnen so von Anfang an einen verantwortungsbewussten Umgang mit persönlichen Daten vorleben.

Das Deutsche Kinderhilfswerk e.V. hat im November 2017 die Facebook-Kampagne #ErstDenkenDannPosten zu Persönlichkeitsrechten von Kindern im digitalen Raum gestartet. Mehr dazu unter: www.dkhw.de/kinderfotos-im-netz.